Eros Costantini


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Die Wiederholung des Objektes wie ein karikaturistisches, ironisches, sarkastisches, erotisches oder auch metaphysisches Spiegelbild der menschlichen Konditionen. Deshalb sind es nicht so sehr die Pinguine, die in vielen Kunstwerken als sympathische Vögel die Themen übernommen haben, sondern es sind die Männer, Frauen und Kinder; eine Menschheit in einem gewissen Sinne antropomorph, die mit der Geduld und Präzision eines Einsiedlers von unserem Künstler in seinen Werken ausgerichtet wird. Das hat nichts mit dem Antropomorphismus im Sinne eines disneyanischen Druckes zu tun. Es ist mehr eine Wiederholung, ein fast hoffnungsloser immer wieder etwas geänderter, aber unaufhaltsamer Rhytmus, wie beispielsweise die Musik „Bolero“ von Ravel.

Sehen wir uns nun die bizarren Werke dieses um die Welt bummelnden Künstlers an. Wenn man sich in den Pinguin „im Wirbel“ hineinziehen lässt, wird man fast von einem Schwindel erfasst. Aber es reicht, den Blick auf „Dreh-dreh rund“ oder „Schönheiten im Sonnenuntergang“ zu richten, um das Gleichgewicht und die süsse Entspannung wiederzufinden. Die „Auf der Suche nach welchem Glück?“, „Klonen als Roboter“ und „Blockiert im Verkehr“ schöpfen aus einer zum Teil dramatischen Aktualität. Kein Verzeichnis, nur einige. Persönlich unterhalten mich sehr, ja zeitweise „verwickeln“ sie mich: die „Säufende Pinguine“ eingewickelt in die Etiketten von grossen Weinen; die Serie der Pinguine: arbeitend, positiv, im Dschungel und topless; sowie die philosophisch-meditierenden wie in „Der Fluss des Lebens“, „Zwischen kalten Strömen“ sowie einige andere, in denen sich die Vorliebe des Künstlers für Schriftsteller wie Kafka, Hesse, Garcia-Màrquez und für Meister der Farbe wie Klee, Gauguin, Mirò und andere widerspiegelt.

Mittels dieses Polarvogels, der nicht fliegt, aber wie ein Fisch schwimmen kann, fasst der Künstler die Welt und die Menschheit im allgemeinen zusammen. Seine Malerei ist klar, flüssig, lebendig, wimmelnd von Bewegungen der Formen und Farben und unterschiedlich von Werk zu Werk. Das Auge lässt sich oft verzaubern und lädt den Geist zu einer minuziösen Betrachtung der Besonderheiten ein, die die leuchtende und gegensetzliche „Monumentalität“ des Ganzen nicht beeinflussen. Man übertreibt mit Sicherheit nicht, wenn man sagt, dass die „pinguinese Kunst“ vereint in mehr als zweihundert Werken, eine gewisse Art von Monumentalität verkörpert.

Wenn man sich bei den Werken aufhält, die seiner praktisch wahnsinnigen Passion für die Vertreter der Art der Pinguine vorangegangen sind, und wenn man nur über wenige Schlüssel verfügt, um auf den Grund der Domäne der Kunst vorzustossen (wie Ihr Chronist), so kommt man nicht umhin einige fremde und vielleicht gewagte Parallelen zu der phantastischen und bizarren Welt des grossen Flamingomalers Jeronimus Bosch zu ziehen. Auch wenn sie komplett und zwangsläufig anders in der Wiederholung des zentralen Objektes ist, enthüllt seine Malerei hier und da einen wuchernden Wald von Zwängen und erotisch-sexuellen Symbolen („Ohne Komplexe“ und „Topless am Strand“) mystische („Im Abendrot hoffender Pinguin“) existentialistische („In Meditation“). Viele seiner Werke kann man auch als Liebesbriefe bezeichnen, die die Pinguine weit in die Welt tragen sollen. Von dem was man erahnt und was ich beobachtet habe, erkennt man, dass der Eindruck bei den Menschen immer besser ist, und dass diese Art der Pinguinbriefe die Ozeane überschreiten.

Als ich aus dem Atelier heraustrete ist mein Kopf immer noch lustig gefüllt mit Pinguinen und Gefühlen, die im Gleichgewicht mit unserer Welt und der Welt dieser Tiere stehen. Ich denke, dass es einen Ausgleich geben muss zwischen dem langen Leben der Papageien und der eintägigen Existenz der Schmetterlinge, so wie zwischen dem Lachen der Hyäne und der Wehmut des Ochsen, aber auch zwischen unserer Art zu leben (warum nicht?) und der der Pinguine.

Mit Sicherheit ist die Anwort in den zahlreichen Bildern versteckt, von mir aber leider nicht entdeckt worden. Nun, eine gute Gelegenheit ihnen nochmals einen Besuch abzustatten. Ich bin davon überzeugt, dass in der Zwischenzeit ein Pinguin entweder in Patagonien oder am Südpol sich immer noch fragt ob er ein Vogel oder ein Kellner ist. 

 

 

Eros Costantini, Lugano 1998 (Übersetzung Waldo Morandi)